Montag, 12. Oktober 2015

Jagd von Liza Marklund [Rezension]

Es macht immer wieder Spaß die Fortsetzung einer Reihe zu lesen, wenn die bisherigen Bücher gut waren. Mit Jagd liegt mittlerweile der 10. Band um die Journalistin Annika Bengtzon vor.




Titel:Jagd
Autor: Liza Marklund
Verlag: Ullstein
Reihe: Annika Bengtzon
Format: Softcover
Umfang: 384 Seiten
Erscheinungsdatum: 09. März 2015
ISBN: 978-3550080616
Preis: 16,99 €
eBook: 13,99 €
zum Buch beim Verlag



Auch bei diesem Buch klingt die Verlagsbeschreibung spannend:
Annika Bengtzon gilt unter ihren Kollegen als tough und unbestechlich. Sie liebt ihre Arbeit als Reporterin. Als sie zur Villa des Politikers Ingemar Lerberg gerufen wird, betritt sie eine andere Welt: wertkonservativ, traditionell und gediegen. Auf den erfolgreichen Geschäftsmann wurde ein Anschlag verübt. Für die Journalistin ist er kein Unbekannter, denn ein durch die Presse hochgeputschter Steuerskandal hatte Lerberg zum Rücktritt gezwungen.

Da die Protagonistin Annika Bengtzon Journalistin ist, ist die Handlung und die Ermittlungen anders als bei anderen Krimis, bei denen die Polizei ermittelt.
Grundsätzlich versucht Annika Bengtzon nicht einen Täter zu ermittlen, wie in den vorangegangenen Büchern ebenfalls, sondern einfach Ihren Job, den der Journalistin, zu machen. Das heißt Informationen zu sammeln, aus denen sich eine Artikel schreiben läßt. Dies erfordert auch einiges an Ermittlungen, über Hintergründe etc. Das führt, in Zusammenarbeit mit der Polizei, zur Verbrechensaufklärung.
Die Autorin Liza Marklund nutzt dieses um die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen. Dies ist neben der Sicht der Journalistin, die der Polizei, aber auch der am Rande betroffenen Personen, oder Randcharaktere, die auch in den anderen, vorangegangenen Büchern vorkommen und so die Verquickung von der Arbeit an einem Fall / einer Geschichte mit den Anforderungen von Vorgesetzen oder auch das Privatleben, das auch immer Einfluss auf den Beruf hat.
Dies ist Liza Marklund in den vorherigen Büchern hervorragend gelungen, wenn sie schildert, wie schwierig es ist nach einer Trennung auf einmal allein mit der Kindererziehung und dem Beruf zurecht kommen zu müssen und es zwar Absprachen zu den Kindern gibt, diese immer mal wieder über den Haufen geworfen werden müssen, durch berufliche Termine etc.
In diesem Buch versucht Liza Marklund auch neben der eigentlichen Geschichte um den Politker Lerberg die handelnden Personen facettenreicher zu beschreiben und uns den Leser auch an deren Privatleben teilzuhaben, dabei zerfassert Frau Marklund die Geschichte mit zu vielen Strängen, da ich als Leserin immer wieder versuche diese gedanklich miteinander in Verbindung zu bringen, auch wenn sie nur Annika Bengtzon als verbindendes Element haben.
So wird auch von Thomas, Annikas Ex-Mann, erzählt und wie es ihm geht und wie er sich fühlt, hat mit dem Lerberg-Fall aber nichts zu tun. Wer alle vorhergehenden Bücher gelesen hat, für den ist es schön zu lesen, wie es auch mit ihm weitergeht, das er nicht einfach so aus Annikas Leben verschwindet, zumal sie ja die beiden Kinder zusammen haben, aber für Leser, die die gesammte Entwicklung nicht verfolgt haben - es sind ja mit diesem schon 10 Bücher - ist es eher verwirrend. Vor allem da viele seiner Gedanken und Handlungen auf Geschehnissen aus dem Vorgängerbuch "Weißer Tod" beruht.
Auch die Polizistin Nina Hoffmann, die fast wie eine zweite Hauptperson als Ermittlerin tätig ist, findet viel Raum. Aus meiner Sicht zu viel, da damit wieder ein Strang sehr viel gewicht erhält. Nina Hoffmann wird auch gleich als alte Bekannte eingeführt. Annika Bengtzon und Nina Hoffmann verbindet die Erlebnisse aus dem Buch "Kalter Süden". Doch wer das Buch kennt kann sich nur wundern wie folgenlos und einfach das Zusammentreffen der beiden Frauen erfolgt. Für andere, die das Buch nicht kennen, ist die Erwähnung ein weiterer Punkt zur Verwirrung. Zumal die Bekanntschaft keine Folgen hat für diese Geschichte, somit wäre eine andere Polizistin, mit einer weniger schwierigen Vergangenheit, einfacher für mich als Leser gewesen.
Damit nicht genug, kommt als nächstes noch ein weiterer Handlungsstrang, denn der Chefredakteur Anders Schyman gerät selbst in journalistisches Kreuzfeuer und Annika Bengtzon soll neben der Lerberg Berichterstattung sich auch darum kümmern.
Insgesamt waren es mir damit zu viele Handlungsstränge. Durch die Vielzahl hat Liza Marklund es leider nicht geschafft die Spannung durchgehend im Buch aufrecht zu erhalten. Sie musste zu viel erklären, es kamen dadurch viel zu viel Informationen, die das Buch stellenweise langatmig machten.
Interessant fand ich hingegen die Randerklärungen, in denen sie anhand von Annika Bengtzon die Wandlung des Journalismus oder der Presse erzählt. Dies umfasst auch den Druck der Printjournalisten auch in den Online-Medien beständig neue Informationen veröffentlichen zu müssen, auch wenn es eigentlich noch nicht wieder zu berichten gibt. Daneben ist die Presseethik und die publizistische Verantwortung der Herausgeber wie gehabt ein Schwerpunkt der Journalistensicht, diesmal ergänzt um die Macht der Blogger.
Somit sehr viele Themen, Handlungsstränge - zu viele aus meiner Sicht. Um diese alle gut auszugestalten hätte es mehr als die 384 Seiten gebraucht. Somit bleibe ich als Leserin bei einigen Stellen mit einem Fragezeichen zurück.
Dennoch ist es wieder ein sehr gut geschriebener Krimi. Auch wenn es nicht der beste von Liza Marklund ist.
Annika Bengtzon mir ihren Ecken und Kanten und nicht immer sympatischen Art, die mir aber ans Herz gewachsen ist, wird mich auch in Zukunft reizen die Reihe weiter zu lesen.
Empfehlenswert - bedingt, aber lohnend allemal.



 


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